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Folge 1 · Ostafrika · 1962

Lachen ist nicht immer gesund

Als 1962 in Ostafrika bis zu 1000 Menschen nicht mehr aufhören konnten zu lachen.

Lachen ist gesund?

Auf YouTube ab 0:00

Lachen ist gesund, sagt man. Aber 1962 wurde Lachen in Ostafrika zu einem echten Problem: zu einer Epidemie, die bis zu tausend Menschen erfasste.

Wie konnte das passieren?

Bleistiftskizze: ein Mädchen in Schuluniform lacht mit geschlossenen Augen1962

Kashasha, 1962

Auf YouTube ab 0:17

Wir sind in Tanganjika, dem heutigen Tansania. Das Land ist erst seit ein paar Wochen unabhängig, seit Dezember 1961.

Am Westufer des Victoriasees liegt das Dorf Kashasha. Dort steht ein Internat für Mädchen, geführt von einer christlichen Mission.

Tanganjikaunabhängig seit Dez. 1961
VictoriaseeKashashaBukoba
Bleistiftskizze: das Schulgebäude der Mission mit GlockenturmBleistiftskizze: drei Schülerinnen in Schuluniform

12–18 Jahre

Der Ausbruch

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Am 30. Januar 1962 fangen drei von ihnen an zu lachen. Und sie hören nicht mehr auf.

Das Lachen springt über: auf die Banknachbarin, auf die nächste Klasse. Nach kurzer Zeit sind 95 von 159 Schülerinnen betroffen. Die Lehrer dagegen bleiben verschont.

30. Januar

1962

Bleistiftskizze: Schülerinnen lachen im Klassenzimmer, die Lehrerin ist ratlosha haha haha ha

Drei fangen an. 95 lachen mit.

Jeder Kreis ist eine Schülerin des Internats in Kashasha. Tippe auf einen Kreis, und das Lachen springt von dort aus von Bank zu Bank – bis es so viele erfasst hat wie im Januar 1962.

0 von 159

Die Lehrerinnen und Lehrer: verschont.

Nicht lustig

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Das klingt erst mal komisch. Ist es aber nicht.

Die Anfälle dauern Stunden, oft Tage, im Schnitt etwa eine Woche. Bei manchen hält es bis zu sechzehn Tage an. An Unterricht ist nicht mehr zu denken.

  • Weinen
  • Ohnmacht
  • Atemnot
  • Ausschlag
Bleistiftskizze: ein erschöpftes Mädchen sitzt zusammengesunken

18. März 1962
Schule geschlossen

Wie lange ein Anfall dauerte
wenige Stundenim Schnittam längsten≈ 7 Tagebis zu 16 Tage

Das Lachen wandert

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Die Mädchen fahren nach Hause, in ihre Dörfer. Und das Lachen fährt mit.

Im Dorf Nshamba lachen im April und Mai 217 Menschen, die meisten jung. Im Mai öffnet die Schule in Kashasha wieder – prompt erkranken 57 weitere Schülerinnen. Im Juni trifft es die nächste Mädchenschule.

14 Schulen geschlossen

bis zu 1000 Menschen betroffen

18 Monate, bis der Spuk vorbei ist

Die Suche nach der Ursache

Auf YouTube ab 1:46
Bleistiftskizze: ein Arzt hört eine Schülerin mit dem Stethoskop ab
  • Gift?
  • Virus?
  • Bakterien?
Die Erkunderin untersucht etwas mit der Lupe

Sie finden nichts. Keinen Erreger, keine körperliche Erklärung.

Psychologie

damals:Massenhysterie

heute:massenpsychogene Erkrankung

echte Beschwerden

Auslöser:die Situation

Das heißt: Die Beschwerden sind echt, aber der Auslöser liegt nicht im Körper, sondern in der Situation.

Druck

Auf YouTube ab 2:10

Warum gerade dort? Der Forscher Christian Hempelmann vermutet: Druck.

Ein Land im Umbruch. Strenge Regeln im Internat. Hohe Erwartungen von Eltern und Lehrern. Zu Hause alte Traditionen, in der Schule ganz neue Ideen. Stress, der sich ein Ventil sucht – und weil wir einander unbewusst nachahmen, springt er über.

Hypothese Beweisen lässt sich das nicht. Aber es passt zu einem Muster.

UmbruchRegelnErwartungenTraditionneue Ideen

Ein altes Muster

Auf YouTube ab 2:35

Denn es war nicht das erste Mal. Immer ähnlich: eine Gruppe unter Druck, und ein Verhalten, das sich ausbreitet.

Bleistiftskizze: Menschen tanzen in einer Gasse in Straßburg

1518 Straßburg: Tanzwut

Im Juli beginnt eine Frau, mitten auf der Straße zu tanzen. Nach wenigen Tagen tanzen mehr als dreißig Menschen, im August vielleicht Hunderte – die Zahlen sind umstritten. Die Stadt holt sogar Musiker, damit die Leute sich gesund tanzen. Es wird nur schlimmer.

Bleistiftskizze: Nonnen in einem Kloster miauen gemeinsam

? Frankreich: Nonnen miauen

Aus einem großen Kloster wird berichtet, dass die Nonnen jeden Tag gemeinsam miauten. Wie Katzen. Ein gesichertes Datum gibt es nicht.

Bleistiftskizze: drei Schülerinnen in Schuluniform

1962 Kashasha: Lachen

Drei Schülerinnen, dann 95, dann ganze Dörfer.

Was bleibt

Was bleibt · auf YouTube ab 3:09

Was genau in Kashasha passiert ist, weiß bis heute niemand. Aber die Geschichte zeigt:

Gefühle sind ansteckend.

Lachen auch. Meistens ist das etwas Schönes. Nur eben nicht immer.

Die beiden Erkunder lachen

Kurz und hochkant

Die Geschichte in 2 Shorts, je etwa 30 Sekunden. Tippen zum Abspielen.

Woher wir das wissen.

Die Erklärung über Stress und Druck ist eine Hypothese, kein Beweis. Für die miauenden Nonnen gibt es kein gesichertes Datum, und die Zahlen zur Tanzwut 1518 sind umstritten.